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EU-Entgelttransparenzrichtlinie: Was Unternehmen jetzt wissen und vorbereiten sollten

Geschrieben von Nicole Schwan | 24.04.2026 09:59:00

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie bringt neue Anforderungen für Unternehmen in Deutschland. Bis zum 7. Juni 2026 muss sie in nationales Recht umgesetzt werden. Viele Organisationen fragen sich aktuell: Was bedeutet das konkret – und wo besteht bereits heute Handlungsbedarf? Nicole Schwan hat dazu im Cobalt Webinar und einer Pressemitteilung Stellung genommen. 

Die zentrale Antwort: Die Richtung ist klar, und Unternehmen sollten sich frühzeitig mit ihren Vergütungsstrukturen auseinandersetzen.

Was ist die Entgelttransparenzrichtlinie?

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verfolgt das Ziel, gleiche Bezahlung für gleiche oder gleichwertige Arbeit stärker durchzusetzen und den Gender Pay Gap zu reduzieren.

Dafür werden Unternehmen künftig stärker verpflichtet:

  • Vergütungsstrukturen transparent zu machen
  • Unterschiede zu begründen
  • und Mitarbeitenden mehr Einblick in Gehaltsstrukturen zu geben

Welche Anforderungen kommen auf Unternehmen zu?

Die Richtlinie enthält mehrere zentrale Maßnahmen:

Transparenz im Recruiting

  • Bewerber müssen frühzeitig Informationen zum Gehalt oder zu Gehaltsspannen erhalten
  • Die Abfrage bisheriger Gehälter wird unzulässig

Erweiterte Auskunftsrechte für Mitarbeitende

  • Anspruch auf Informationen zum eigenen Gehalt
  • Vergleich mit durchschnittlichen Gehältern ähnlicher Positionen
  • Offenlegung von Vergütungskriterien

Berichtspflichten für Unternehmen
Für Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden gelten künftig Berichtspflichten:

  • ab 250 Mitarbeitenden: jährlich (ab 2027)
  • 150–249 Mitarbeitende: alle drei Jahre (ab 2027)
  • 100–149 Mitarbeitende: alle drei Jahre (ab 2031)

Was ist aktuell noch nicht final geregelt?
Die konkrete Umsetzung der Entgelttransparenzrichtlinie in deutsches Recht steht noch aus.

Offen sind insbesondere:

  • die genaue Ausgestaltung von Prozessen und Berichtspflichten
  • Details zu Sanktionen
  • konkrete Anforderungen an Unternehmen im Alltag

Trotzdem ist die grundlegende Richtung bereits eindeutig.

Welche Unternehmen sind betroffen?
Ein häufiger Irrtum ist, dass nur große Unternehmen betroffen sind.
Tatsächlich gilt:

  • Berichtspflichten betreffen Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden
  • grundlegende Anforderungen wie Transparenz und Gleichbehandlung gelten jedoch für alle Unternehmen

Mit der Umsetzung der Richtlinie wird die Relevanz für kleine und mittelständische Unternehmen weiter steigen.

Rechtslage heute: Equal Pay gilt bereits
Wichtig ist: Die Verpflichtung zur Gleichbehandlung besteht bereits heute.
Rechtliche Grundlagen sind:

  • das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
  • das Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG)
  • europäische Gleichbehandlungsgrundsätze

Gerichte haben in aktuellen Entscheidungen klargestellt:

  • Gehaltsunterschiede müssen objektiv begründet werden
  • Verhandlungsgeschick reicht nicht als Argument aus
  • Mitarbeitende können Nachzahlungen und Schadensersatz verlangen

Die EU-Richtlinie erhöht vor allem die Transparenz und die Durchsetzbarkeit dieser Ansprüche.

Die größte Herausforderung für Unternehmen
In der Praxis zeigt sich, dass viele Vergütungsstrukturen:

  • historisch gewachsen sind
  • individuell verhandelt wurden
  • nicht vollständig dokumentiert sind

Diese Strukturen sind nicht automatisch problematisch – werden jedoch kritisch, wenn sie nicht nachvollziehbar erklärt werden können.

Warum Unternehmen jetzt handeln sollten
Auch ohne finale gesetzliche Umsetzung gibt es klare Gründe, sich frühzeitig vorzubereiten:

  • Vermeidung von kurzfristigem Anpassungsdruck
  • frühzeitige Identifikation von Risiken
  • Stärkung der Arbeitgeberattraktivität
  • bessere Vorbereitung auf zukünftige Anforderungen

Erste Schritte zur Vorbereitung
Unternehmen sollten jetzt beginnen mit:

  • Analyse bestehender Gehaltsstrukturen
  • Definition klarer Vergütungskriterien
  • Identifikation von Ungleichgewichten
  • Aufbau transparenter Prozesse

Ziel ist eine nachvollziehbare und konsistente Vergütungslogik.

Unterstützung durch Cobalt HR Consulting
Die Umsetzung der Anforderungen stellt viele Unternehmen vor praktische Herausforderungen – insbesondere bei gewachsenen Strukturen.

Mit Cobalt HR Consulting unterstützen wir Unternehmen dabei:

  • Vergütungsstrukturen zu analysieren
  • Transparenz zu schaffen
  • potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen
  • und nachhaltige Systeme aufzubauen

Mehr Informationen: https://cobaltrecruitment.de/fuer-kunden/hr-consulting

Fazit: Jetzt die Grundlage schaffen
Die Entgelttransparenzrichtlinie ist kein kurzfristiges Gesetzesthema, sondern ein struktureller Wandel.
Die entscheidende Frage für Unternehmen lautet:
Sind unsere Vergütungsentscheidungen heute bereits nachvollziehbar?

Wer sich frühzeitig damit auseinandersetzt, schafft Sicherheit, Klarheit und Wettbewerbsvorteile.