Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie bringt neue Anforderungen für Unternehmen in Deutschland. Bis zum 7. Juni 2026 muss sie in nationales Recht umgesetzt werden. Viele Organisationen fragen sich aktuell: Was bedeutet das konkret – und wo besteht bereits heute Handlungsbedarf? Nicole Schwan hat dazu im Cobalt Webinar und einer Pressemitteilung Stellung genommen.
Die zentrale Antwort: Die Richtung ist klar, und Unternehmen sollten sich frühzeitig mit ihren Vergütungsstrukturen auseinandersetzen.
Was ist die Entgelttransparenzrichtlinie?
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verfolgt das Ziel, gleiche Bezahlung für gleiche oder gleichwertige Arbeit stärker durchzusetzen und den Gender Pay Gap zu reduzieren.
Dafür werden Unternehmen künftig stärker verpflichtet:
- Vergütungsstrukturen transparent zu machen
- Unterschiede zu begründen
- und Mitarbeitenden mehr Einblick in Gehaltsstrukturen zu geben
Welche Anforderungen kommen auf Unternehmen zu?
Die Richtlinie enthält mehrere zentrale Maßnahmen:
Transparenz im Recruiting
- Bewerber müssen frühzeitig Informationen zum Gehalt oder zu Gehaltsspannen erhalten
- Die Abfrage bisheriger Gehälter wird unzulässig
Erweiterte Auskunftsrechte für Mitarbeitende
- Anspruch auf Informationen zum eigenen Gehalt
- Vergleich mit durchschnittlichen Gehältern ähnlicher Positionen
- Offenlegung von Vergütungskriterien
Berichtspflichten für Unternehmen
Für Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden gelten künftig Berichtspflichten:
- ab 250 Mitarbeitenden: jährlich (ab 2027)
- 150–249 Mitarbeitende: alle drei Jahre (ab 2027)
- 100–149 Mitarbeitende: alle drei Jahre (ab 2031)
Was ist aktuell noch nicht final geregelt?
Die konkrete Umsetzung der Entgelttransparenzrichtlinie in deutsches Recht steht noch aus.
Offen sind insbesondere:
- die genaue Ausgestaltung von Prozessen und Berichtspflichten
- Details zu Sanktionen
- konkrete Anforderungen an Unternehmen im Alltag
Trotzdem ist die grundlegende Richtung bereits eindeutig.
Welche Unternehmen sind betroffen?
Ein häufiger Irrtum ist, dass nur große Unternehmen betroffen sind.
Tatsächlich gilt:
- Berichtspflichten betreffen Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden
- grundlegende Anforderungen wie Transparenz und Gleichbehandlung gelten jedoch für alle Unternehmen
Mit der Umsetzung der Richtlinie wird die Relevanz für kleine und mittelständische Unternehmen weiter steigen.
Rechtslage heute: Equal Pay gilt bereits
Wichtig ist: Die Verpflichtung zur Gleichbehandlung besteht bereits heute.
Rechtliche Grundlagen sind:
- das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
- das Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG)
- europäische Gleichbehandlungsgrundsätze
Gerichte haben in aktuellen Entscheidungen klargestellt:
- Gehaltsunterschiede müssen objektiv begründet werden
- Verhandlungsgeschick reicht nicht als Argument aus
- Mitarbeitende können Nachzahlungen und Schadensersatz verlangen
Die EU-Richtlinie erhöht vor allem die Transparenz und die Durchsetzbarkeit dieser Ansprüche.
Die größte Herausforderung für Unternehmen
In der Praxis zeigt sich, dass viele Vergütungsstrukturen:
- historisch gewachsen sind
- individuell verhandelt wurden
- nicht vollständig dokumentiert sind
Diese Strukturen sind nicht automatisch problematisch – werden jedoch kritisch, wenn sie nicht nachvollziehbar erklärt werden können.
Warum Unternehmen jetzt handeln sollten
Auch ohne finale gesetzliche Umsetzung gibt es klare Gründe, sich frühzeitig vorzubereiten:
- Vermeidung von kurzfristigem Anpassungsdruck
- frühzeitige Identifikation von Risiken
- Stärkung der Arbeitgeberattraktivität
- bessere Vorbereitung auf zukünftige Anforderungen
Erste Schritte zur Vorbereitung
Unternehmen sollten jetzt beginnen mit:
- Analyse bestehender Gehaltsstrukturen
- Definition klarer Vergütungskriterien
- Identifikation von Ungleichgewichten
- Aufbau transparenter Prozesse
Ziel ist eine nachvollziehbare und konsistente Vergütungslogik.
Unterstützung durch Cobalt HR Consulting
Die Umsetzung der Anforderungen stellt viele Unternehmen vor praktische Herausforderungen – insbesondere bei gewachsenen Strukturen.
Mit Cobalt HR Consulting unterstützen wir Unternehmen dabei:
- Vergütungsstrukturen zu analysieren
- Transparenz zu schaffen
- potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen
- und nachhaltige Systeme aufzubauen
Mehr Informationen: https://cobaltrecruitment.de/fuer-kunden/hr-consulting
Fazit: Jetzt die Grundlage schaffen
Die Entgelttransparenzrichtlinie ist kein kurzfristiges Gesetzesthema, sondern ein struktureller Wandel.
Die entscheidende Frage für Unternehmen lautet:
Sind unsere Vergütungsentscheidungen heute bereits nachvollziehbar?
Wer sich frühzeitig damit auseinandersetzt, schafft Sicherheit, Klarheit und Wettbewerbsvorteile.